Die Geschichte

Hier erfahrt ihr alles über die einzigartige Gründungsgeschichte des Ballspielverein Borussia 09 e.V. – und welche Rolle eine Kirche dabei spielte und bis heute noch spielt.

Gründung der Dreifaltigkeitsgemeinde

Im Zuge der wirtschaftlichen Expansion der Montanindustrie kamen zahlreiche Arbeiter aus ganz Westfalen, dem Rheinland, Schlesien, Posen, West- und Ostpreußen nach Dortmund und somit auch zum Borsigplatz. Um diesen Menschen auch eine religiöse, katholische Heimat in Dortmund zu bieten, wurden zahlreiche Pfarreien gegründet und Kirchen gebaut. Darunter auch die Dreifaltigkeitskirche im Hoeschviertel, die eine Gemeinde mit rund 4000 Katholiken beheimaten sollte. 1898 wurde der Grundstein für die Kirche gelegt, ehe diese am Dreifaltigkeitssonntag 1900 der Gemeinde übergeben wurde. Sie wurde im Stil einer romanischen Basilika mit kreuzförmigem Grundriss und Doppelturm an der Straße durch Architekt Johannes Franziskus Klomp erbaut.1903 errichtete die Gemeinde das Vincenz-Waisenhaus, 1908 ein Vereinshaus.

Zerstörung, Wiederaufbau und Umbau der Dreifaltigkeitskirche

Am 23. Mai 1943 wurde die Dreifaltigkeitskirche durch Bombenangriffe im 2. Weltkrieg weitestgehend zerstört. Weitere Angriffe am 25. Mai und 15. November 1944 sowie am 10. März 1945 zerstörten die Kirche und das Pfarrhaus vollständig.

Nach Kriegsende leitete Pfarrer Theodor Lepper den ersten Teil des Wiederaufbaus des völlig zerstörten Kirchengeländes ein. Als dieser starb, übernahm Alois Niedermeier, der 3. Pfarrer von Dreifaltigkeit, nach seiner Einführung am 6. April 1953 den Wiederaufbau des Kirchengebäudes. Mit dem Wiederaufbau wurde der Dortmunder Architekt Hermann Kessemeier beauftragt. Am 24. Oktober 1954 konnte die Gemeinde in das neue Gotteshaus einziehen. Nach dem Wiederaufbau erlebte das Gemeindeleben einen Aufschwung. 1963 wurden die letzten Baumaßnahmen beendet und Kirche, Pfarrhaus, Piushaus und Kindergarten bilden wieder eine Einheit. Im Zuge des 2. Vatikanischen Konzils wurde 1971 der Hochaltar entfernt und ein neuer „Volksaltar“ geweiht. Im November 2008 wurden Bänke in der Kirche entfernt, das Taufbecken kam in den vorderen Eingangsbereich und der Tabernakel hinter den Altar. Seit 2024 wird die Kirche im Rahmen des Projektes „BVB-Gründerkirche“ umfangreich umgebaut.

Die Heilige Dreifaltigkeitsgemeinde heute

Ab den 1970er-Jahren erlebt die Dreifaltigkeitskirche am Borsigplatz, wie viele andere Kirchengemeinden, erhebliche Veränderungen. Die Zahl der Kirchenbesucher sinkt, Taufen, Erstkommunionen und Eheschließungen gehen zurück. Das Gemeindeleben schrumpft zunehmend. 2002 mussten das Piushaus und der Kindergarten aufgrund von Baufälligkeiten abgerissen werden. Am 1. Mai 2003 wurde der Pastoralverbund Dortmund Nordstadt-Ost gegründet, der die Pfarreien Heilige Dreifaltigkeit, Sankt Antonius und Sankt Joseph umfasst. Die Umstrukturierungen setzten sich fort: Am 1. Januar 2016 wurden die sechs katholischen Pfarreien in der Dortmunder Nordstadt aufgelöst und zur neuen Pfarrei Heilige Dreikönige zusammengeschlossen. Im Jahr 2020 leben noch etwa 1950 Katholiken im Borsigplatzviertel.

Seit 2017 gibt es das fanpastorale Projekt „Coming Home 09“, das von Karsten Haug entwickelt und geleitet wird. Dieses seelsorgerische Angebot richtet sich speziell an BVB-Fans und verbindet Fußball mit Glauben. Zu den Angeboten gehören Führungen, Workshops zum Thema „Fußball und Glaube“, ökumenische BVB-Gottesdienste und die seelsorgerische Betreuung für Fans. Die bestehende Fanpastoral „Coming Home 09“ wird in der neuen BVB-Gründerkirche vollständig integriert werden.

 

Die Marianische Jünglingssodalität in der Dreifaltigkeitsgemeinde wurde Ende November 1901 gegründet. Ziel war es, die jungen Männer zu einem christlichen Leben anzuleiten und vor religiösen, sowie sittlichen Gefahren zu schützen. Dabei legte man großen Wert auf die sonn- und feiertäglichen Messebesuche, einen regelmäßigen Sakramentenempfang, die Pflege der Geselligkeit und die Förderung der gewerblichen und allgemeinen Bildung. Zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls standen Sport, Musik und Theater im Vordergrund. Die sportlichen Aktivitäten der Sodalen wurden 1906 aufgenommen und umfassten Faustball, Tamborinspiel, Turnen und Leichtathletik. Für die seelsorgerische Begleitung der Sodalen war ein Kaplan zuständig, was ab 1906 Hubert Dewald übernahm. Wichtig waren ihm Werte wie Solidarität, Nächstenliebe, Fleiß, Strebsamkeit und Ritterlichkeit. Im Fokus stand die Erziehung zu Christen und Bürgern, die in Ausbildung, Beruf, Familie und Kirche ihre Talente und Fähigkeiten mit einbrachten und sich dabei für Gerechtigkeit und Frieden einsetzten.

Die Schutzpatronin der Jünglingssodalität war Maria. Darüber hinaus verehrten die Sodalen den Heiligen Aloisius von Gonzaga. Bei den leichtathletischen Körperertüchtigungen trugen die Sodalen blau-weiß gestreifte Hemden mit Schnürkragen, dazu schwarze Hosen und Stutzen, sowie eine rote Schärpe. Vermutlich wurden die Farben blau und weiß wegen der Verbindung zur Schutzpatronin der Marianischen Jünglingssodalität gewählt. Maria wird in der Kunst oftmals mit blauem Mantel dargestellt und zugleich ist Blau die Farbe des Himmels aber auch der Herrscher, was sich in diesem Zusammenhang auf die überirdische Bedeutung Marias als Mutter Jesus deuten lässt. Weiter steht Weiß für die Reinheit und Unbeflecktheit Marias. Mit der roten Schärpe bekundeten die Sodalen ihre Solidarität zur Arbeiterbewegung.

 

Die Gründung von Borussia Dortmund im Jahr 1909 ist eng mit der katholischen Dreifaltigkeitsgemeinde in Dortmund verbunden. 1906 brachte Reinhold Richter einen englischen Lederball zum Borsigplatz, was das Fußballfieber unter den Mitgliedern der Jünglingssodalität der Dreifaltigkeitsgemeinde entfachte. Der für die Jugendarbeit zuständige Kaplan Hubert Dewald stand dem neuen Sport jedoch kritisch gegenüber. Der Kaplan wetterte gegen den Proletensport und die „Fußlümmelei“. Um die Sodalen vom Fußballspielen abzuhalten, ergriff Dewald verschiedene Maßnahmen, z.B. das Absägen der Torpfosten auf der „Weißen Wiese“, dem Spielfeld der Jugendlichen.

Der Konflikt eskalierte am vierten Adventssonntag, dem 19. Dezember 1909. Kaplan Dewald kündigte von der Kanzel eine verpflichtende sonntägliche Nachmittagsandacht an, was bei den jungen Männern auf großen Widerstand stieß, weil sich die Jugendlichen immer Sonntagnachmittag zum Fußballspielen trafen. Als Reaktion darauf trafen sich etwa 40 Mitglieder der Jünglingssodalität in der Gaststätte „Zum Wildschütz“, um einen eigenen Verein zu gründen. Franz Jacobi, späterer Sprecher und Vizepräsident des BVB, sagte: „Seit 1902 bin ich Mitglied der Dreifaltigkeits-Jugend, seit 1906 spielen wir Fußball auf der “Weißen Wiese. Wir Fußballer werden seit 1906 systematisch von unserer Kirche bekämpft und diffamiert. Da können wir nicht länger hinnehmen. Die Vereinsgründung ist zwingend.“

Kaplan Dewald erfuhr von dem Vorhaben und versuchte, die Versammlung im Spiegelsaal der Gaststätte zu verhindern. Dabei kam es zu tumultartigen Szenen, Handgreiflichkeiten und Dewald wurde der Zutritt verwehrt. Allerdings sorgte der Auftritt Dewalds dafür, dass über 20 Sodalen den Raum verließen. Trotz Dewalds Intervention gründeten die 18 verbleibenden jungen Männer unter der Führung von Franz Jacobi noch am selben Abend den „Ballspielverein Borussia 09 Dortmund“. Für die jungen Sodalen, die nun dem BVB angehörten, war es am Anfang nicht einfach, sich der Autorität Dewalds zu widersetzen, denn der Respekt vor der Kirche war groß. Die „Gemeindespalter“ wurden im Heiligabendgottesdienst, nur wenige Tage nach der Vereinsgründung, aus der Jünglingssodalität geworfen. Daraufhin verließen einige die Borussia wieder.

Trotz der konfliktreichen Gründung des BVBs war es der Wunsch der Gründer, eng mit der Kirche verbunden zu bleiben. Einige heirateten in der Kirche oder ließen ihre Kinder dort taufen. Durch den Beitritt benachbarter Vereine zur Borussia veränderte sich jedoch die Mitgliederstruktur, und der Verein entfernte sich zunehmend von seinen katholischen Wurzeln. Dies zeigte sich auch in der Änderung der Vereinsfarben von blau-weiß mit roter Schärpe, den Trikots der Jünglingssodalität, hin zu schwarz-gelb, was August Busse mit der neuen konfessionellen Zusammensetzung begründete. Trotz der Distanzierung kehrt der BVB bis heute zu Feierlichkeiten an seinen Gründungsort am Borsigplatz zurück. Zum 75-jährigen Bestehen der Dreifaltigkeitskirche fand ein Versöhnungsspiel zwischen der Kirchengemeinde und der BVB-Traditionsmannschaft statt.

Im August 2008 trafen sich interessierte Gemeindemitglieder, BVB-Experten und Seelsorger und überlegten gemeinsam, wie das 100-jährige Jubiläum des BVBs auch für den Stadtteil Früchte tragen konnte. Es entstand die Dauerausstellung „Kirche, Fußball, Gottvertrauen“ in der Dreifaltigkeitskirche.  Das Jubiläumsjahr wurde durch einen ökumenischen Gottesdienst eröffnet, sowie auch beendet und umfasste zahlreiche Veranstaltungen im Stadtteil. Zudem übergab die Gemeinde dem BVB ein Bronzekreuz für das Borusseum. Der ehemalige Präsident Dr. Reinhard Rauball und Vikar Ansbert Junk mauerten als Zeichen der Erinnerung Dokumente und weitere Utensilien in eine Stele im Kirchenschiff ein. Alle Veranstaltungen und Ereignisse rund um das Jubiläumsjahr von Borussia Dortmund wurden auch durch die Geschichte der Dreifaltigkeitskirche geprägt, um die Verbundenheit und Tradition des Fußballvereins zu seinem Gründungsort deutlich zu machen.

Auch heute noch hat der BVB eine enge Verbindung zur Kirche Hl. Dreifaltigkeit. Dies wird besonders durch unser Projekt „BVB-Gründerkirche“ deutlich.